Rezension: Hello ~ Korean 1-3 (English Edition)

 

  • Autoren: Park Jiyoung und Yoo Soyoung
  • Taschenbuch: 287 Seiten (Band 1), 271 Seiten (Band 2), 314 Seiten (Band 3), 6 Begleit-CDs
  • Verlag: Maribooks (www.maribooks.com)
  • Auflage: 1 (Band 1: 10. Juni 2012; Band 2: 4. Januar 2013; Band 3: 20. Januar 2014)
  • Sprache: Englisch, Koreanisch
  • ISBN: 978-89-94011-15-8 (Band 1); 978-89-94011-34-9 (Band 2); 978-89-94011-42-4 (Band 1); 978-89-94011-13-4 (Set);
  • Preis: KRW 23’000 pro Band (ca. EUR 17)

Gleich auf den ersten Blick fällt die sorgfältige Aufmachung der Bücher auf: übersichtlich, liebevoll illustriert und farbig kommt die drei Bände dieser Lehrbuchreihe daher. Der wahre Schatz verbirgt sich allerdings in den insgesamt sechs Begleit-CDs mit Aufnahmen von Dialogen, Übungen und Vokabular. Dass der Hallyu-Star Lee Joon-Gi (Lawless Lawyer, Criminal Minds, Hero etc.) als Sprecher mitwirkt, dessen angenehmer Stimme man stundenlang zuhören möchte, ist für das Training von Hörverständnis und Aussprache besonders förderlich.

Beide Autorinnen sind Profis im Sprachunterricht: Park Jiyoung (박지영) ist Professorin beim Korean Language Education Center der Seoul National University, Yoo Soyoung (유소영) doziert an der Dankook University. Weiterlesen

K-Pop Songs #6: Bird, Bird, Blue Bird (Forestella)

Wenn man den Titelsong des historischen Dramas „Nokdu Flower“ hört, kann man sich schwer vorstellen, dass die jungen Männer der Crossover-Boygroup Forestella dahinterstehen sollen, die im „Making-of“-Video bzw. in der Bühnenversion zu sehen sind. „Crossover“ ist hier in alle Richtungen zu verstehen: Zwei der Mitglieder verfügen (hörbar) über eine klassische Ausbildung als Opernsänger: Cho Min-kyu (Tenor) und Ko Woo-rim (Bass). Der Dritte im Bunde, Bae Doo-hoon kommt aus dem Musical-Fach. Am verblüffendsten ist allerdings die Stimme von Kang Hyung-ho, ausgebildeter Chemiker, der scheinbar mühelos zwischen Männer- und Frauenstimme wechselt. Weiterlesen

K-Pop Songs #5: Eyes, Nose, Lips…. (Taeyang/Big Bang)

Eyes, Nose, Lips gesungen von Taeyang dürfte einer der berühmtesten Songs der koreanischen Welle sein, so dass man dazu keine weiteren Worte verlieren muss (wer Gesangsunterricht nimmt, sollte allerdings in den ersten Minuten genau hinschauen und erspart sich so einige Lektionen zum Thema Atemstütze/Atembalance). Hier wie üblich der Songtext mit Übersetzung und ausgewähltem Vokabular:

미안해 미안해 하지마
내가 초라해지잖아
빨간 예쁜 입술로
어서 나를 죽이고 가
나는 괜찮아 Weiterlesen

Koreanisch in 33 Tagen #17: Familie

Heute findet das Fest Chuseok (추석) statt, und fast alle Menschen (사람) in Korea sind zu ihrer Familie (가족) gereitst, um Mondkuchen (송편 Songpyeong) zu essen und die Ahnenriten zu pflegen. Grund genug also, das Vokabular rund um die Familie aufzufrischen. Wer wie ich regelmässig koreanische TV-Serien schaut, wird damit nicht allzu grosse Mühe haben. Mehr Mühe bereitet die richtige Anrede – eine Dame mittleren Alters, die als Ajumma angesprochen wird, kann höchst beleidigt sein. Um ein Gespür für die entsprechenden Sensibilitäten zu entwickeln, sind koreanische TV-Dramen ebenfalls ein wertvolles Hilfsmittel. Mit Vorsicht anzuwenden sind natürlich auch Bezeichnungen wie Hurensohn oder Zicke…

사람 saram Mensch
가족 gajog Familie
부모님 bumonim Eltern
아버지 abeoji Vater
어머니 eomeoni Mutter
아빠 appa Papa
엄마 eomma Mama
아이 ai Kind
아기 agi Baby
아들 adeul Sohn
ttal Tochter
언니 eonni ältere Schwester einer Frau (Anrede)
오빠 oppa älterer Bruder einer Frau (Anrede)
누나 nuna ältere Schwester eines Mannes (Anrede)
hyeong älterer Bruder eines Mannes (Anrede)
동생 dongsaeng jüngeres Geschwister
할머니 halmeoni Grossmutter (Anrede)
할아버지 hal-abeoji Grossvater (Anrede)
아저씨 ajeossi Onkel (Anrede)
아주머니 ajumeoni Tante (Anrede)
아줌마 ajumma Tante (Anrede)
결혼 gyeolhon Hochzeit
결혼식 gyeolhonsig Hochzeitszeremonie
약혼자 yaghonja Verlobte(r)
약혼 yaghon Verlobung
남편 nampyeon Ehemann
아내 anae Ehefrau
여보 yeobo Schatz (Anrede unter Eheleuten)
당신 dangsin Du (Anrede unter Eheleuten)
남자 namja Mann
여자 yeoja Frau
소녀 sonyeo Mädchen
아가씨 agassi Fräulein (Anrede)
소년 sonyeon Junge
청춘 cheongchun Jugendliche
성인 seong-in Erwachsene
친구 chingu Freund(in)
남자친구 namjachingu Freund
여자친구 yeojachingu Freundin
애인 aein Geliebte(r), Liebhaber(in)
paen Fan, Freund, Enthusiast (fan)
동료 donglyo Kollege
선배 seonbae Senior (Rang in der Schule, Arbeit)
후배 hubae Junior (Rang in der Schule, Arbeit)
jeog Feind
nom Kerl, Typ
개새끼 gaesaekki Hurensohn
기집애 gijibae Miststück, Zicke
바보 babo Idiot

 

Chaebols, Korruption und das gemeine Volk

Die aus vielen koreanischen TV-Dramen bekannte Szene, in der ein Beschuldigter mit Handfesseln und mit Stricken wie ein Paket verschnürt von der Polizei vorgeführt wird, wiederholt sich für einmal im realen Leben: Am 17. Februar 2017 wurde Lee Jae-Yong (이재용), der Erbe des südkoreanischen Chaebols Samsung, verhaftet. Am 25. August 2017 ist er wegen Bestechung der inzwischen abgesetzten Präsidentin Park Geun Hye und anderer Vergehen zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Damit ist er noch glimpflich davongekommen: Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft beantragt.

Das Bezirksgericht in Seoul sah es als erwiesen an, dass Lee in Schmiergeldzahlungen von 7,2 Mrd. Won (6,2 Mio. Fr.) für das Reittraining der Tochter von Choi Soon-Sil, einer Vertrauten von Präsidentin Choi, involviert war. Lees Anwälte erklärten umgehend, sie würden Berufung einlegen. Zwei andere Manager des Unternehmens wurden zu je vier Jahren Haft verurteilt, zwei weitere erhielten Haftstrafen auf Bewährung.

Brisant ist das Urteil insofern, als Lee Jae-Yong faktisch Samsung vorsteht, einem riesigen Konglomerat, dessen Umsatz 20% des Bruttosozialproduktes Südkoreas entspricht und das rund eine halbe Million Beschäftigte hat. Zu Samsung gehören neben der bekannten Sparte Samsung Electronics (Smartphones, TV, Haushaltgeräte) eine Vielzahl von Gesellschaften, die fast alle Lebensbereiche abdecken, etwa Versicherungen und Fintech (Samsung Pay), Pharmazeutik, Werften und Automobilbau (in Kooperation mit Renault), Bauunternehmungen (u.a. Bau des Burj Khalifa), Modeunternehmen (u.a. Beanpole), Handel (Shilla Duty Free), Hotels (Shilla) und Vergnügungsparks (Everland).

Samsung gehört mit Hyundai, LG, SK Group, Hanjin, Lotte Group und einigen weiteren zu einer Reihe von Konglomeraten, die die südkoreanische Wirtschaft prägen: den sogenannten Chaebol (재벌/財閥). Auch wenn sie im Ausland trotz ihrer internationalen Ausrichtung noch kaum wahrgenommen wurden, haben diese Chaebol in Südkorea immense Bedeutung – und auch Macht. Und sie stehen schon seit längerem im Kreuzfeuer der Kritik.

Was ist ein Chaebol?

In chinesischen Schriftzeichen bringt das Wort Chaebol zum Ausdruck, was das Besondere an diesen südkoreanischen Konglomeraten ist: 財 (Pinyin: cái) bedeutet „Reichtum“, 閥 (Pinyin: fa) „mächtige Person oder Familie“. Bei den Chaebol handelt es sich also um reiche Familienunternehmen. Das ist zwar historisch gesehen nichts neues (man denke etwa an die Fugger im 15. bis 17. Jahrhundert), dass sie sich im 21. Jahrhundert noch halten können, ist jedoch nicht ganz selbstverständlich.

Eine Besonderheit der koreanischen Konglomerate ist, dass die diversen Tochtergesellschaften zwar börsenkotiert sind und die Besitzerfamilie oft nur über einen Minderheitsanteil verfügt, sie aber gleichwohl dank einer komplizierten Verflechtung der Firmenstrukturen das Sagen hat. Die Firmen verfügen zwar über hochqualifizierte Spitzenmanager, das letzte Wort hat jedoch der „Chongsu“ (총수), in der Regel der Familienpatriarch.

Anders als ihr japanisches Pendant, die „Zaibatsu“, die nach dem Ende des zweiten Weltkriegs aufgelöst wurden, entstanden die Chaebol erst in dieser Zeit, also um 1950. Nach dem Ende der japanischen Kolonialherrschaft und dem Koreakrieg lag die koreanische Wirtschaft am Boden. Das koreanische Militärregime, welches 1961 an die Macht gelangt war, versuchte anfänglich, den Einfluss der Wirtschaftsführer zurückzubinden, erkannte aber schnell, dass der Wiederaufbau besser gelingen würde, wenn diese eingebunden würden.

Im koreanischen System des gelenkten Kapitalismus setzten die Militärs die Ziele – dazu gehörten etwa die Expansion im Schiff- und Automobilbau – die Chaebol setzten diese um und erhielten dafür Zugang zu Kapital. Alles, was die rasante Expansion der Wirtschaft hätte behindern können, wie etwa Arbeiterproteste, unerwünschter Wettbewerb, Strafverfolgung wegen Korruption oder Buchfälschung etc. wurde gezielt unterbunden. So wurde beispielsweise der Vater von Lee Jae-Yong, Lee Kun-Hee, wurde bereits 1996 wegen Korruption verurteilt, aber flugs begnadigt. Wegen Steuerhinterziehung und anderer Wirtschaftsdelikte wurde er 2008 erneut verurteilt, aber 2009 begnadigt, um seine Rolle im olympischen Komitee nicht zu gefährden. Er war aber keineswegs ein Einzelfall: Der frühere Präsident Lee Myung-Bak begnadigte 2008 sage und schreibe 341’864 Unternehmer, Politiker und Verwaltungsbeamte, darunter viele Patriarchen bedeutender Chaebol.

Die Chaebol ermöglichten wohl das „Wunder am Han Fluss“, das Südkorea zu einer der bedeutendsten Industrienationen der Welt machte. Sie überdauerten auch den Wandel Südkoreas von der Militärdiktatur zur Demokratie. Im Zuge der Asienkrise 1997 kollabierten allerdings elf der fünfzig grössten Chaebol und brachten damit beinahe das gesamte Bankensystem zu Fall. Der IMF forderte Reformen, doch diese wurden nur halbherzig umgesetzt. Der Anteil der Chaebol an der gesamtwirtschaftlichen Leistung Südkoreas stieg sogar noch an. Auch wenn sich die verbleibenden Chaebol längst wieder aufgerappelt haben, stellen sie doch ein latentes Risiko für die koreanische Wirtschaft und Gesellschaft dar.

Korruptionsanfälligkeit

Glaubt man internationalen Indexes zur Korruptionswahrnehmung, so steht Südkorea punkto Korruption gar nicht so schlecht da und rangiert mit Rang 52 immer noch vor Ländern wie Italien (60) und Griechenland (69). Bezüglich den Chaebol besteht allerdings ein latentes Korruptionsrisiko. Einerseits sind die Chaebol, da sie keine Banken betreiben dürfen, auf gute Netzwerke im Finanz- und Politsystem angewiesen. Gleichzeitig haben die Chaebol aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht auch viel politischen Einfluss, so dass die Politiker auf ihre Hilfe angewiesen sind.

Doch nun könnte es der Korruption an den Kragen gehen. Das am 1. September 2016 in Kraft getretene Antikorruptionsgesetz ist zwar recht zahnlos, kann aber doch als Signal interpretiert werden, dass nun aufgeräumt werden soll. Auch der Umstand, das im Korruptionsskandal um Präsidentin Park hunderttausende von Koreanern auf die Strasse gingen, lässt darauf schliessen, dass korrupte Praktiken in Zukunft nicht mehr so einfach unter den Teppich gewischt werden können. Erstes Opfer dürfte Lee Jae-Yong, der sich wohl in erster Linie wird vorwerfen lassen müssen, gegen das seit Jahrzehnten etablierte und von seinem Vater gepflegte System der engen Verbandelung von Chaebols und Politik nichts unternommen zu haben.

Gleichwohl, so heiss wie die Suppe gekocht wird, wird sie wohl nicht gegessen. Zu sehr ist die koreanische Wirtschaft von den Chaebol abhängig und zu sehr sind die Chaebol aufgrund der immer noch vorherrschenden patriarchal-konfuzianistischen Denkweise von ihren Führungsfiguren abhängig.

Soziale Sprengkraft

Auch bei der Einkommensungleichheit reiht sich Südkorea in den Reigen der OECD Länder ein und weist nur einen leicht höheren Gini Index als die Schweiz, Deutschland oder Frankreich aus. Zwar bieten die Chaebol Millionen von hochbegehrten, gutbezahlten und sicheren Stellen an. Doch wer nicht ins Schema X passt und einen Top-Abschluss von einer Top-Universität vorweisen kann, hat Pech gehabt und muss sich von Job zu Job durchhangeln oder versuchen, mit immer neuen Studienabschlüssen und Prüfungen doch noch eine der begehrten Positionen zu erreichen. Nicht nur die Jugendarbeitslosigkeit hat in den letzten Jahren Spitzenniveaus erreicht, die jüngere Generation sieht sich auch gezwungen, ihre Zukunftspläne auf die lange Bank zu schieben: Liebe, Heirat, Kinder, persönliche Beziehungen, Hauseigentum sowie persönliche Träume und Hoffnungen.

Kleine und mittlere Unternehmen haben gegenüber den Chaebol das Nachsehen, egal, ob es um die Finanzierung oder um die Rekrutierung qualifizierten Personals geht. Zudem behindert die patriarchale Struktur der Chaebol die Innovationskraft des Landes, die aufgrund der hohen Bildungsinvestitionen eigentlich gegeben wäre, aufgrund der schnell alternden Gesellschaft aber auch dringend benötigt würde.

 

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