Weshalb sind koreanische TV-Dramen so erfolgreich?

Die koreanische Welle hat nach China und anderen ostasiatischen Ländern längst auch ein Millionenpublikum in den USA und Lateinamerika erreicht. K-Pop entspricht weitgehend dem Mainstream, so dass dies nicht weiter erstaunt. Doch wie schaffen es K-Dramen, die Sprach- und Kulturgrenzen zu überwinden? Ein Erklärungsversuch:

Weltweiter Zugang dank Fronarbeit der Fans

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Szene aus «The K2» in Barcelona – koreanische Serien werden dank Fansubs in Windeseile weltweit zugänglich gemacht

 

Dass jede Woche ein gutes Dutzend K-Dramas kurz nach der Ausstrahlung für das Streaming zur Verfügung steht, liegt nicht nur daran, dass die Inhaber der Urheberrechte anderthalb Augen zudrücken und nicht etwa warten, bis TV-Sender aus aller Welt sich um die Ausstrahlungsgenehmigung bewerben. Eine weltweite Verbreitung wäre ohne Fronarbeit der internationalen Fans, die Untertitel – sogenannte Fansubs – erstellen, undenkbar. Damit eine koreanische Serie wie etwa «My Love From the Star» beispielsweise bei Viki in 68 Sprachen von Albanisch bis Vietnamesisch zur Verfügung steht, wirken über 100 Fans als Segmenter und Übersetzer mit. Erleichtert wird die Arbeit durch eine Eigenheit des K-Dramas: Die meisten Serien weisen zwischen 16 und 20 Episoden von einer Stunde Dauer auf, wobei zwei Folgen pro Woche ausgestrahlt werden. Das ist zwar immer noch viel Arbeit, aber doch überblickbar.

HDTV-tauglich

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Szene aus «Descendants of the Sun» auf Zakynthos

 

Während Europa bei HDTV noch hinterherhinkt, ist es im Land von Samsung und LG schon völlig selbstverständlich, dass die Fernsehsender im HD-Format senden. Hilfreich dabei ist, dass die koreanischen Serien traditionell sehr aufwendig gedreht werden, namentlich mit vielen Aussenaufnahmen (beliebt sind insbesondere Cafés in und um Seoul sowie Architekturikonen in Paju Book City und Heyri Art Valley). Ermöglicht wird das durch die relative Kürze der K-Dramas, die Förderung durch den koreanischen Staat sowie beträchtliche Budgets dank erfolgreichem Vertrieb auch im Ausland (namentlich China) und Product Placement. Natürlich gibt es auch K-Dramas, wo die Kulissen wackeln, doch das ist eher die Ausnahme. Es kommt umgekehrt sogar vor, dass ganze Filmcrews nach Europa verlegt werden, um den gedrehten Szenen Authentizität zu verleihen. Die ersten beiden Folgen des Actiondramas «The K2» wurden beispielsweise teilweise in Barcelona gedreht, «Descendants of the Sun» zeigt wunderschöne Bilder von der griechischen Insel Zakynthos.

Klassisches Hollywoodrezept

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Szene aus «W Two Worlds» – wie bei einem Webtoon muss am Ende einer Episode eines K-Dramas ungewiss sein, wie es weitergeht

Viele koreanische TV-Serien setzen auf bewährte Rezepte Hollywoods. Der «Cliffhanger» am Ende einer Episode darf nicht fehlen. Koma, Amnesie, schwere oder seltene Krankheiten, uneheliche Kinder, böse Stief- und Schwiegermütter, Seitensprünge und andere Ingredienzen der klassischen Soap tauchen häufig auf. Aus dem Märchenrepertoire wird gerne auf Aschenputtel zurückgegriffen – armes Mädchen trifft auf reichen Prinzen. Zuschauer müssen so nicht mit bösen Überraschungen rechnen. Allerdings ist anzumerken, dass K-Dramas eine unglaubliche Vielfalt aufweisen und nicht einfach in einen Topf geworfen werden können.

Nur ein Hauch Exotik

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Szene aus «Fantastic» – hier tragen die unterdrückte Schwiegertochter und die Schwiegermutter einen traditionellen koreanischen Hanbok

Koreanische Soaps unterscheiden sich zwar in vielen Punkten von westlichen Serien – beispielsweise, was den Stellenwert der Familie oder den sozialen Status betrifft – bezüglich Alltagsleben, Mode, Architektur etc. bestehen jedoch kaum Unterschiede und auch die Geschichten sind für ein westliches Publikum im Grossen und Ganzen nachvollziehbar.

Fürs weibliche Publikum gemacht

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Duschszene aus «My Love From the Star» – der Oberkörper muss zu sehen sein, mehr aber keinesfalls!

Während koreanische Schauspielerinnen meist züchtig bekleidet bleiben (ultrakurze Shorts fallen durchaus in diese Kategorie) heisst es bei den Männern früher oder später: ab unter die Dusche, damit der gut durchtrainierte Oberkörper – mehr aber nicht (!) – präsentiert werden kann. Offensichtlich soll dies das weibliche Auge erfreuen. In aller Regel zeichnet sich Hauptdarsteller zudem durch viel Fürsorglichkeit und Aufmerksamkeit gegenüber der Hauptdarstellerin aus. Den Zuschauerinnen wird fürs Auge und fürs Gemüt also viel geboten in einer Zeit, in der es mit der Romantik nicht mehr so weit her ist.

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