K-Film: Tunnel (2016)

Unter einem Sternschnuppenregen feierte der Film „Tunnel“ (터널) des koreanischen Regisseurs Kim Seong-hun am 11. August 2016 am Filmfestival Locarno seine internationale Premiere.

Im Film ist der Autohändler Jung-su (Ha Jung-woo) auf dem Heimweg zu seiner Frau und Tochter, als der Tunnel um ihn herum zusammenbricht. Es gelingt ihm, mit seinem Handy die Notfalldienste zu rufen. Diese sind zwar schnell mit viel Ausrüstung zur Stelle, mit der Situation aber hoffnungslos überfordert. Das Notfallhandbuch etwa muss erst noch aus dem Englischen übersetzt werden.

Auch die Presse hat schnell reagiert und versucht, die Geschichte auszuschlachten. Gemeinsam mit den Rettungsdiensten schicken sie ihre Drohnen los, um das Innere des Tunnels zu inspizieren. Leider müsste das brauchbare Gerät auch erst noch in den USA besorgt werden, so dass sich der Rettungschef auf eine Inspektionsfahrt begibt (und sich im Rückwärtsfahren bewähren muss).

Rasch trifft auch die Ministerin am Ort des Geschehens ein, doch das Wichtigste für sie ist offensichtlich der Fototermin mit den richtigen Leuten. Se-hyun (Bae Doo-na), die Frau von Jung-su erfährt derweil aus dem Fernsehen vom Ereignis.

Jung-su selbst wird informiert, dass er eine Woche mit seinen zwei Wasserfläschchen und dem Geburtstagskuchen seiner Tochter im Tunnel wird auf Rettung harren müssen. Es dauert leider viel länger, als geplant.

Der Film überzeugt durch seinen Humor und seine packenden Actionszenen – gefilmt wie üblich in Korea in exzellenter Qualität. Er erlaubt auch dem ausländischen Betrachter Einblicke in die koreanischen Gesellschaft – etwa wenn alle immer betonen, es sei alles in bester Ordnung, oder wenn die Tochter sich unter dem Schutthaufen dafür entschuldigt, dass das Auto der Mutter beschädigt ist.

Das Desaster ist durchaus realitätsnah – für das „Wunder am Han Fluss“ zahlte Korea einen hohen Preis. 1995 etwa stürzte ein in den 1980iger Jahren gebautes Kaufhaus (Saampoong Department Store) ein und riss 502 Menschen in den Tod, bereits 1992 und 1994 waren Brücken am Fluss Han eingestürzt – Baumängel und lasche Kontrollen seitens der Behörden waren jeweils die Ursache. Das diesbezügliche nationale Trauma wurde durch das Sewol-Fährunglück 2014 noch verstärkt.

Der Film, der in Südkorea bereits am Startwochenende grossen Erfolg hatte (innert fünf Tagen sahen 2,58 Millionen Zuschauer den Film), wird im Oktober am Filmfestival in Sitges zu sehen sei. Bleibt zu hoffen, dass er dem Kinopublikum anderswo nicht vorenthalten wird.

 

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